Mit dem Vereinsdoppelsitzer nach Südafrika.

Die Akademische Fliegergruppe in Freiburg beschloss vor einem Jahr mit dem Flaggschiff des Vereins, einer eigenstartfähigen doppelsitzigen DG505 mit insgesamt 7 Piloten eine Expedition nach Südafrika zu unternehmen. Die Wahl fiel auf Gariep Dam, ein gut ausgebauter Flugplatz im Zentrum des Landes. Dort wird schon seit einigen Jahren immer im Winterhalbjahr auf hohem Niveau Streckensegelflug betrieben. Zwei der beteiligten Piloten waren in den Vorjahren bereits vor Ort und kannten die Verhältnisse. Gariep Dam ist eine touristisch voll erschlossene Ortschaft. Sie liegt gut erreichbar direkt an der N1, der Hauptverkehrsader zwischen Johannesburg und Kapstadt.

Fliegen über den Landschaften Südafrikas: über den Drakensbergen bei Lesotho
Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Der größte Stausee im Land. Der Oranje wird hier auf über 80 km aufgestaut.

Wie läuft eine solches Unternehmen ab? Die Maschine wird im Spätsommer nach der europäischen Flugsaison technisch fit gemacht und Ende September in einen Container verladen. Der Container geht mit vier weiteren Segelflugzeugen bestückt in Bremerhaven aufs Schiff. Dort gesellen sich weitere drei Flugzeugcontainer hinzu. Nach etwa 4 Wochen auf See wird in Port Elizabeth umgeladen und Anfang November kommt ein
LKW- Konvoi mit allen Containern in Gariep Dam an. Dort wird entladen, aufgebaut und der Flugbetrieb kann beginnen. Etwa drei Monate bis Ende Januar kann geflogen werden.

 

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Die DG505 der Akaflieg Freiburg am Start.

Die Argumente für das Fliegen auf der Südhalbkugel sind schnell
ausgemacht: Vorbild sind die Zugvögel, die schon immer dem europäischen
Winter ausweichen und der Sonne auf die Südhalbkugel folgen. Anstelle
die schönen Flugzeuge in den Monaten Oktober bis Februar in den Hallen
zu verwahren, wird die fantastische Thermik über der südafrikanischen
Steppe genutzt. Bei vergleichsweise moderaten Kosten wird die Nutzung
der Maschinen verdoppelt. Kräftige Aufwinde bis in Höhen vom 6000 m
ermöglichen große, schnelle Flüge bei unglaublichen Perspektiven.

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Geflogen wurde immer im Team zu zweit.
Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Typische Perspektive bei Wolkenthermik. Die Sonne steht praktisch senkrecht. Der Schattenwurf der Wolken ermöglicht das Auffinden der tragenden Linien.

In der Regel kann an 6 von 7 Tagen in der Woche geflogen werden. Dies gilt im langjährigen Mittel. In dieser Saison gab es nach einem fulminanten Start im November auch Wetterperioden mit vergleichsweise bescheidenen Möglichkeiten. Grundsätzlich gilt für Afrika: Alle Wettererscheinungen sind etwa doppelt so stark ausgeprägt wie in Europa. Dies gilt gleichermaßen für Höhe und Intensität der Thermik, des Windes aber auch der Intensität von Gewittern und Starkregen. Ein wunderbares, aufregendes Eldorado, das auch für erfahrene Piloten einen Zugewinn im fliegerischen Portfolio bietet.

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Blick von oben in die Diamantmine von Koffyfontein

Überhaupt der Wind: Durch das höhere Konvektionsniveau bilden sich sehr häufig Thermikstraßen und Konvergenzen aus, die unbedingt in das Kalkül der Streckenplanung einbezogen werden müssen. Es ist schon eine eigene Erfahrung bei 45 km/h Wind in Höhen von 4000 m – 5000 m bei einer Blauthermikwetterlage noch Strecken zwischen 500 und 800 km fliegen zu können. Bei diesen Verhältnissen macht der europäische Flieger die gewöhnungsbedürftige Erfahrung, dass die beste Thermik oftmals nicht in den Gebirgsregionen angetroffen wird, sondern in den ausgedehnten Ebenen. Also in Bereichen, in denen die Ausbildung großräumiger Thermiksysteme nicht durch eine wechselnde Geografie gestört wird. Bei Wolkenthermik mit Anreihungen sind dann Schnittgeschwindigkeiten von 120 – 150 km/h keine Seltenheit und ermöglichen Streckenflüge von 800 – 1000 km und mehr. Bei den relativ hohen Windgeschwindigkeiten bilden sich an der Grenze unterschiedlicher Luftmassen über mehrere 100 km hinweg häufig sogenannte Konvergenzen. Dabei schiebt unterströmt die jeweils kühlere Luft die benachbarte Luftmasse höherer Temperatur.

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Hochgeschwindigkeitssegelflug entlang einer Konvergenz. Rechts der Flugzeugnase befindet sich die kühlere Luftmasse. Diese wird gegen die wärmere und trockenere Luftmasse links gedrängt. Über 250 km ermöglichte das resultierende Aufwindfeld eine Geschwindigkeit von 175 km/h.

So gelangen dem Team Helmut Rohs und Joachim Leidner einige Flüge unter der Nutzung solcher Konvergenzen. Bei einem dieser Flüge konnte über mehr als 250 km Strecke praktisch ohne Kreisflug die Durchschnittsgeschwindigkeit des Segelflugs auf 175 km/h gesteigert werden. Das gleiche Team testete auch die Variante des Wandersegelfluges. Die beiden Piloten flogen von Gariep Dam etwa 650 km nach Südwesten nach Worcester um dort einige Tage die fliegerischen Möglichkeiten zu erkunden. Worcester liegt eine Autostunde nördlich von Kapstadt und ermöglicht ausgedehnte Hangflüge an den dortigen Gebirgslinien. Experten fliegen in diesen Hangwindsystemen regelmäßig Strecken von 1000 km und mehr.

Die Bilanz der Saison 2019/2020 kann sich für den Verein durchaus sehen lassen. Es wurde in den drei Monaten von den drei Teams insgesamt an 29 Tagen geflogen, über 170 Stunden kamen zusammen. Insgesamt wurden mehr als 10.000 Streckenkilometer geflogen. Im Durchschnitt lag die Größe der geflogenen Strecken bei etwa 550 km, darunter auch ein Flug von dem Team Frank Fuchs und Clemens Deimel mit 1025 km. Für eine DG505 ist dies weltweit der größte bekannte Flug, der auf diesem Flugzeugmuster im Thermikflug realisiert wurde.

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Kolossale Wolkenstraßen durchsetzt mit Schauern.
Alle Wettererscheinungen sind doppelt so stark ausgeprägt wie in Europa.

Bei all den fliegerischen Höhepunkten gab es gleichwohl auch verschiedene Hürden zu meistern. Die Maschine war drei Monate lang fast jeden Tag im Einsatz. Dies beansprucht die technischen Komponenten über das übliche Maß hinaus. Mehrfach wurde von den Piloten Improvisationskunst abverlangt um das Flugzeug einsatzfähig zu halten. Typisch für Afrika ist die große Hilfsbereitschaft aller Akteure vor Ort. In kurzer Zeit bei technischen Problemen Lösungen zu schaffen, gehört zum Alltag und macht den Flair einer solchen Unternehmung aus.
Mittlerweile sind alle Flugzeuge wieder unbeschadet in Deutschland angekommen. Etwas ungläubig reiben wir uns die Augen, wie in diesen Tagen in so kurzer Zeit alles auf den Kopf gestellt wird was so stabil und sicher erschien. Irgendwann wird diese Krise überwunden sein, dann heißt es: Afrika, wir kommen wieder!

D

Mit dem Vereinsflieger in Südafrika
Drei Monate im Dauereinsatz macht Wartung vor Ort unabdingbar. Improvisationskunst ist gefordert.

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